Über zwei Jahre Pandemie fühlten sich in der Klinik an manchen Tagen an, wie ein nicht enden wollender, abartiger Rodeoritt. Irgendwie flogen wir nicht runter, von dem Bullen der uns mit aller Kraft versuchte fertig zu machen. Anekdotisch kann ich für mich persönlich sagen, ich habe mich bisweilen, dann und wann, rasant mit dem Gesicht nach unten im nächsten Haufen bremsen sehen. War dann aber doch nicht. Weil meine Kollegen der absolute Hammer sind und wir zusammen gehalten haben. Wir sind zusammen da durch gekommen. So oder so.
Der Blick von außen auf die Intensivstation und die Intensivpflege war nie so medienpräsent wie in dieser krassen Zeit. Auch dem entferntesten Klinikoutsider ist dadurch eine recht scharfe Kontur, von all den Dingen die wir dort tagtäglich ableisten, gezeichnet worden. Und dann habt ihr geklatscht und uns rettende Engel und Helden genannt. Weil das ja auch einfach der Hammer war, was wir da weggearbeitet haben. Und selbstverständlich gar nicht selbstverständlich. Aber warum geht das eigentlich gar nicht? Weil z.B. der DGF-Ethik-Kodex-Intensivpflege genau das von uns verlangt und weil wir uns darauf verständigt haben. Weil unser Beruf eine Profession ist (darüber fordere ich übrigens das Ende aller Debatten…). Weil Engel- und Superhelden-Narrative uns Kräfte beimessen die wir nicht haben (uns wächst auch nicht spontan ne dritte Hand wenn wir gerade eine bräuchten..). Weil diese Verglorifizierung im Grunde die Ernsthaftigkeit und die therapeutische Wichtigkeit der Intensivpflege, im multifaktoriell beeinflussten Genesungsprozess des Patienten, wegnimmt. Ohne qualitativ hochwertige Pflege wird da einfach schlichtweg kein Patient gesund. Also können wir in meiner Werkstatt zwar im Sinne der Kunst sehr, sehr coole Siebdrucke machen und uns selbst einen Heldenstatus auf T-Shirts verleihen, aber unser professionelles Selbstverständnis muss ein realistisches bleiben.
Hinterlasse einen Kommentar